Pfarrgemeinde Maria Himmelskron

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Artikel der Kategorie Mai, 2008

Christi Himmelfahrt - 1. Mai 2008

Mai 02, 2008 Von: Pfarrer Kategorie: Archiv Comments Off

In dieser Rubrik finden Sie immer wieder einmal Predigten, die sich an den jeweiligen Sonntagslesungen orientieren oder ein aktuelles Thema aufgreifen.

Liebe Mitchristen,
ein Schock war diese Horrornachricht aus Österreich. Ein Vater sperrt seine Tochter 24 Jahre in ein Kellerverlies und zeugt mit ihr 7 Kinder. Eines davon stirbt und wird beseitigt, drei wachsen bei der Mutter im Keller auf, drei werden als angebliche Findelkinder vom Vater, der gleichzeitig ihr Opa ist, großgezogen. Man ist schon vieles gewöhnt, aber etwas solch Monströses hätte kaum einer für möglich gehalten. Zu was sind Menschen denn noch fähig fragen wir uns - und wissen keine Antwort.
Nun sind sie befreit aus ihrem Verlies: die gefangen gehaltene Tochter und die Kinder. Nach 24 Jahren sieht diese Frau wieder, nach 8 und 9 Lebensjahren sehen die Kinder erstmals: den HIMMEL. Unfaßbar, unglaublich! Ein Mensch, ihr Vater hat ihnen diesen Anblick über Jahre hinweg versperrt. Was er ansonsten noch zerstört hat – in ihrem Innern – wissen nur die Betroffenen selbst. Ob sie jemals verspüren können, was über den Blick zum physikalischen Himmel hinaus Menschen meinen, wenn sie vom „Himmel“ als Inbegriff des Glücks sprechen, bleibt offen. Wo sie so lange nur die „Hölle“ erlebt haben.
Wir feiern Christi Himmelfahrt. Das meint doch: Jesus kehrt heim zu seinem Vater, von dem er ausgegangen ist. Sein Werk auf Erden ist vollbracht. Doch er läßt uns nicht als Waisen zurück, sondern sendet uns den Beistand, den Heiligen Geist. Er geht, nicht um uns fern zu sein, sondern um eine „neue Nähe“ zu schenken, um „ewige Wohnungen“ zu bereiten. „Himmel“ ist in diesem Sinn ein wunderbares Bild für das Platzhaben in Gott. So wie Christus in seiner „Himmelfahrt“ Platz hat bei Gott, so sollen auch wir einmal mit Leib und Seele bei Gott leben. Von dieser großartigen Hoffnung und Verheißung redet das Fest Christi Himmelfahrt. Es gibt Menschen, die halten das für eine grandiose Illusion. Hier ist nicht der Platz darüber zu diskutieren, obwohl ich überzeugt bin, daß unser Glaube an Gott gute, triftige und vernünftige Gründe hat. Und wenn ich an Gott glaube, dann ist es vollkommen klar, daß dieser Gott nur Gott ist, wenn Er dieses irdische Leben weit übersteigt, wenn er uns den „Himmel“ öffnen kann.
Ich wünsche der Mutter und ihren Kindern, von denen ich gesprochen habe, alles erdenklich Gute. Es ist so wunderschön, daß sie nach Jahren oder erstmals den Himmel sehen. Das ist aber erst der Anfang. Hoffentlich können sie irgendwann einmal – trotz allem Schrecklichen - auch den „Himmel“ in sich verspüren - Glück erfahren. Und die Nähe des Gottes, der uns dieses Glück sogar über die Grenze des Todes hinaus verheißt.
Ich weiß, daß letzteres für viele unvorstellbar ist. So wie für diese armen Menschen über so viele Jahre hinweg unvorstellbar schien, daß es da noch eine andere Welt außerhalb ihres Verlieses geben sollte.
Aber es gibt diese Welt: Gott sei Dank. Und es gibt es auch den „Himmel“, das ewige Leben bei Gott. Weil wir an Den glauben, der ihn in seiner Himmelfahrt geöffnet hat. Und der uns – bis wir das erfahren dürfen – die Verheißung gibt: „Siehe, ich bin bei Euch alle Tage bis zum Ende dieser Welt.“ AMEN