Pfarrgemeinde Maria Himmelskron

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Artikel der Kategorie August, 2008

Predigt vom 2./3. August 2008

August 05, 2008 Von: Pfarrer Kategorie: Archiv Comments Off

In dieser Rubrik finden Sie immer wieder einmal Predigten, die sich an den jeweiligen Sonntagslesungen orientieren oder ein aktuelles Thema aufgreifen.

Evangelium: Mt 14,13-21

Jeder von Ihnen, liebe Mitchristen, kennt sie: Die Schlacht am kalten Buffet. Wie da eine hungrige Festgesellschaft über ein wundervoll aufgebautes kaltes Buffet wie eine ägyptische Plage herfällt. Da haben sich geschickte Hände unendliche Mühe gegeben, das leckere Essen auch für das Auge verlockend erscheinen zu lassen – und nach kürzester Zeit ist von der Pracht nichts mehr zu sehen als ein Schlachtfeld mit Resten und Krümeln!
Verglichen mit einem solchen Buffet nimmt es sich eh mager aus, was Jesus und seine Jünger den Leuten zu bieten haben: Brot und etwas Fisch. Ganz offensichtlich waren sie nicht auf Gäste eingestellt, schon gar nicht auf so viele. Sie haben nichts und es sieht so aus, als müsse man die Leute wegschicken. Wie sollen so viele von ein paar Krümeln satt werden?
Dann aber geschieht das Wunder: Nicht nur reichen diese Krümel, fünf Brote und zwei Fische, sondern es bleiben sogar noch Reste, genauer: zwölf Körbe übrig! Während beim Buffet nicht viel übrig bleibt, hat das Mahl Jesu, das Mahl der Vielen sogar Neues hervorgebracht: zwölf Körbe voll.
Was heißt das? Zunächst einmal dieses: Keines der Wunder im neuen Testament – und es ist ja ein Wunder und nicht nur, wie man in der Vergangenheit zum Teil rationalistisch verkürzen wollte, ein bloßes Teilen – keines dieser Wunder ist bloß ein Ereignis der Vergangenheit ohne Bedeutung für unsere Gegenwart. Dafür hat uns Jesus ja seinen Heiligen Geist gesandt, daß seine Wunder fortwirken in unsere Zeit hinein. Und so können wir die Wunder Jesu auch auf unsere Zeit hin deuten. Und können feststellen: was bei der Brotvermehrung geschildert wird, kennen wir vor allem von seinem Gegenteil her! Die moderne und globalisierte Gesellschaft produziert und produziert eine Unmenge von Gütern, vor allem aber verbraucht sie weit mehr als sie herstellt. Der Preis der modernen Fülle und Überflutung mit Gütern ist, daß wir immer mehr Ressourcen verbrauchen. Riesige Grundwasserreservoirs werden angezapft und schneller verbraucht als sich die Vorräte regenerieren können. Beim Umgang mit den Ölreserven merken wir deren Abbau direkt am Geldbeutel, wiewohl das Ganze noch zusätzlich durch Spekulation angeheizt wird. Die Ressourcen an Rohstoffen, vor allem aber an intakter Natur sinken – trotz aller Anstrengungen – weiter. Selbst im sozialen Bereich leben wir – so habe ich den Eindruck – von Vorräten, die frühere Generationen aus Gemeinsinn und auch Opferbereitschaft angelegt haben. Der „Generation der Erben“ und berufsmäßiger Sühne und Töchter genügt aber allzuoft bloß die angenehme Seite dieser Sache. So aber bleibt am Ende bloß ein Schlachtfeld mit kümmerlichen Resten und Krümeln übrig – Pech oder wehe den Nachgeborenen. – Oder: Nach uns die Sintflut!
Mit anderen Worten: wir haben nicht gelernt nachhaltig zu leben, wir leben verbrauchend. Das Buffet wurde und wird heißhungrig abgeräumt. Anders das Wunder Jesu, das nicht nut abräumt, sondern aufbaut und übrig läßt. Doch wie ging das noch einmal? Im Evangelium heißt es: „Jesus blickt zum Himmel auf, spricht den Lobpreis, bricht die Brote und gibt sie den Jüngern; die Jünger aber geben sie den Leuten.“ Die Haltung Jesu unterscheidet sich fundamental von einer Haltung, die Dinge nur verbraucht und denkt, man könne mit ihnen machen, was man will.
Zuerst steht das dankbare Bewußtsein, daß alles, was wir haben, verdankt ist. Niemand von uns kann auch nur ein einfaches Insekt zum Leben erwecken, niemand von uns kann leben, ohne daß er permanent auf die Hilfe anderer angewiesen ist. Und letztlich basiert alles, was wir hervorbringen darauf, daß andere vor uns ein Fundament gelegt haben. Das mindeste ist der Dank dafür. So hebt auch Jesus die Augen zum Himmel und spricht den Lobpreis.
Als Zweites steht das Brechen und Teilen des Brotes. Das ist die notwendige Folge des ersten. Wer sich in seiner Ignoranz einbildet autark zu sein und meint, alles nur sich selbst zu verdanken, der gibt vielleicht – um sich selbst zu schmeicheln - Almosen. Er wird aber nie teilen. Erst die Dankbarkeit macht fähig und bereit, das ängstlich Zusammengehaltene zu teilen, zu brechen und weiterzugeben.
Das vielleicht Wichtigste ist das Dritte. Jesus gibt den Jüngern den Auftrag das Brot an die Menschen weiterzugeben. Dieser Auftrag ist mit dem eigentlichen Wunder nicht zu Ende, sondern gilt weiter, bis in unsere Zeit hinein. Im Bewußtsein dieses Auftrags geben die Jünger, geben wir weiter.
Das ist auch der Sinn der zwölf Körbe. Wie die meisten Zahlenangaben der heiligenSchrift ist auch diese Zahl kein Zufall. “Zwölf“ ist die Zahl des von Gott begründeten himmlischen Jerusalem und die Zahl der Apostel, auf die Jesus seine Kirche begründet hat! Das Wunder der Brotvermehrung soll in dieser Kirche weiterwirken: als einer Gemeinschaft, die dankbar empfängt, teilt und weitergibt. Das irdische Brot, das was wir Menschen brauchen. Und das himmlische Brot, das wir in der heiligen Kommunion empfangen dürfen: Jesu Leib und Blut. Wenn wir dieses Geheimnis nun in der heiligen Messe feiern, so ist uns dies nicht nur ein Unterpfand des ewigen Lebens, das Gott schenken will, sondern hilft uns schon jetzt nachhaltig zu leben: dankbar zu sein und zu teilen.
AMENÂ