Pfarrgemeinde Maria Himmelskron

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Artikel der Kategorie September, 2008

Nordic-Walking-Wallfahrt

September 12, 2008 Von: Sekretariat Kategorie: Archiv Comments Off

Am Sonntag, dem 19. Oktober findet erstmals eine (Nordic-)Walking-Wallfahrt für Jedermann statt.

Die Abfahrt nach Miltenberg ist um 13.00 Uhr an der Pfarrkirche Maria Himmelskron, die Wanderung (4 km) zum Kloster Engelberg kann je nach Wunsch walkend oder einfach “zu Fuß” zurückgelegt werden.

Information und Anmeldung können Sie hier downloaden:

Info Nordic-Walking-Wallfahrt

Predigt vom 30./31. August 2008

September 02, 2008 Von: Pfarrer Kategorie: Archiv Comments Off

In dieser Rubrik finden Sie immer wieder einmal Predigten, die sich an den jeweiligen Sonntagslesungen orientieren oder ein aktuelles Thema aufgreifen.

22. Sonntag/ Lesejahr A Heusenstamm 2008
„Was nützt es einem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, dabei aber seine Seele verliert.“

Nachdem am Morgen des 24. Januar 1848 James Marschall im Bach vor einer Sägemühle in Kalifornien Gold gefunden hatte, setzte der bis dahin größte Goldrausch der Geschichte ein. Zehntausende von Glücksrittern fielen wie Heuschrecken über Kalifornien her. Mit dem Gold vor Augen und Träumen in den Herzen verließen kreuz und quer durch Amerika Ehemänner und Väter ihre Familien, Lehrer ihre Schüler, Geschäftsleute ihre Geschäfte. Ein nicht unbeträchtlicher Teil erreichte Kalifornien nie. Sie starben an Krankheiten, wurden von Indianerpfeilen niedergestreckt oder verloren durch die Gewalten der Natur ihr Leben. Der Weg zum Gold war mit Gräbern gepflastert. Wer es bis zu den Goldfeldern schaffte – oftmals in Lumpen, barfuß und ohne Werkzeug, wurde in aller Regel für seine Mühen nicht belohnt. Die Suche nach Gold erwies sich als Glücksspiel, das nur eine Handvoll Gewinner hervorbrachte. Wer dennoch fündig wurde, vertrank oder verspielte seinen Erwerb oft oder brachte ihn in zwielichtigen Etablissements durch. Im Sog des Goldrausches regierten Eifersucht, Diebstahl und Mord. Später bekannte Marschall unumwunden, daß sein Goldfund nicht viel Gutes eingebracht hat.
Liebe Mitchristen, wie die „Faust aufs Auge“ paßt das zu dem Wort Jesu aus dem heutigen Evangelium: „Was nützt es einem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, dabei aber seine Seele verliert.“ Dabei scheint mir diese Geschichte aber mehr zu sein als eine historische Episode, sie ist vielmehr eine Parabel mit zeitloser Gültigkeit. Immer sind Menschen auf der Suche nach dem Glück und die Verheißung von Gold und Geld entfesselt gewaltige Energien und Leidenschaften. Menschen und Dinge, die bisher wichtig waren, werden um des neuen Zieles wegen auf den Müll geworfen. Zunehmend verändern sich die Menschen, die davon befallen sind selbst: Rücksichtslosigkeit, Egoismus und Habsucht beherrschen sie. Manche sind erfolgreich und schwimmen oben mit, viele stürzen schon vorher ab. Und nicht wenige stehen irgendwann vor der Frage: Hat sich das alles gelohnt. Jesus warnt die Menschen davor nur an Geld und Karriere oder sonstige Goldfelder zu denken und sagt ihnen: damit verliert ihr euch selbst, eure Seele, das was euch eigentlich ausmacht. Sein Rezept ist ein anderes: Folgt mir nach, wenn es sein muß, nehmt euer Kreuz auf euch und ihr werdet merken: „Wer sein Leben um meinetwillen verliert, wird es gewinnen.“
Als wir in diesem Jahr mit der Kinder- und Jugendfreizeit in Südtirol waren, war dort auch eine Gruppe aus Berlin. Dabei war auch ein kleiner, 5- jähriger Junge, der nicht sprechen konnte, aber von allen verwöhnt wurde. Bruno war sein Name – einfach ein lieber Kerl. An einem Tag kam ich mit dem Leiter dieser Gruppe ins Gespräch. Und er erzählte mir von Bruno. Daß der sein erstes Lebensjahr in einem Elternhaus verbracht hat, das nicht in der Lage war für das Kind zu sorgen. Bruno blieb nur im Bett liegen, die Eltern gaben ihm notdürftig zu essen, kümmerten sich aber ansonsten nicht um ihn. Ein ganzes Jahr lang! Nach einem Jahr kam Bruno - schwer geschädigt und traumatisiert - auf Initiative des Jugendamtes zu Pflegeeltern: zu jenem besagten Mann und seiner Frau, die auch bei der Freizeit war. Die beiden kümmerten sich liebevoll um das Kind, das dort aufgeblüht ist, aber bis heute nicht sprechen kann. Und als die Zeit kam, den Jungen abzugeben, brachten sie es nicht übers Herz. Sie nahmen Bruno in ihre Familie auf. Mit all den Problemen, das das mit sich bringt – aber auch mit all der Freude, die der Junge und dieser Mann ausstrahlten.
Ich weiß nicht, ob das ein gläubiger Mensch gewesen ist. Aber ich denke an ihm kann man gut ablesen, was das Jesus Wort bedeutet: „Wer sein Leben um meinetwillen verliert, wird es gewinnen.“ Und daß er „gewonnen“ hat, merkte man ihm an. Auch wenn es ein ganz anderes Gewinnen ist, als wir es uns gemeinhin vorstellen.
Liebe Mitchristen,
die meisten von Ihnen – ich selber eingeschlossen – werden in der nächsten Zeit wohl kaum einem Goldrausch erliegen oder in die Situation kommen, ein behindertes Kind zu adoptieren. Aber hoffentlich gelingt es uns – wie Paulus heute sagt – unser Denken so zu erneuern, daß wir zweierlei packen. Zum einen daß wir in der Nachfolge Jesu bleiben und in dieser Nachfolge überraschende Gewinnsituationen erleben. Wenn wir vorher auch den Mut haben das Kreuz aufzunehmen. Zum anderen, daß wir sensibel dafür bleiben, worauf es im Leben wirklich ankommt, daß zumindest diese Frage in uns nie verstummt. Auch dann sind wir im Sinne Jesu veritable Gewinner!
Amen