Artikel der Kategorie März, 2009
Die Gemeinden des Paulus - 2. Fastensonntag
Am letzten Sonntag habe ich das Leben des Paulus beleuchtet. Heute möchte ich mit Ihnen einen Blick auf seine Gemeinden werfen! Paulus, der Völkerapostel, hat ja nicht ganze Völker missioniert, aber er hat auf drei großen Missionsreisen Gemeinden im Gebiet der heutigen Türkei und Griechenlands gegründet: Korinth, Philippi, Ephesus, Thessaloniki, in Galatien und Kolosä. Der Gemeinde in Philippi – wir haben es in der Lesung gehört- war er besonders verbunden. Das war seine Lieblingsgemeinde und darüber hinaus die erste christliche Gemeinde in Europa.
Aber wie kam es eigentlich dazu: Paulus als Völkerapostel? Das war alles andere als selbstverständlich. Denn nach seinem Bekehrungserlebnis in Damaskus stand Paulus so ziemlich allein da. Die Pharisäer und frommen Juden verachteten ihn, weil er sich plötzlich zu Jesus bekannte. Viele Christen sahen ihn mit großem Mißtrauen an: das war doch der frühere Verfolger. Warum soll sich Jesus gerade ihm offenbart haben? In dieser Situation ist es gut, daß er in Barnabas einen Freund und Mentor gewinnt, der ihn in die christlichen Kreise einführt. Und daß er in Antiochia – das liegt im heutigen Syrien und war damals mit ca. 500 000 Einwohnern die drittgrößte Stadt des römischen Reiches – eine Heimatgemeinde hat, in der Judenchristen und Heidenchristen sehr früh zusammen leben und glauben. In der Auseinandersetzung- auch im Streit -  mit Petrus und den anderen Aposteln setzt sich Paulus dafür ein, den Glauben an Jesus möglichst frei zu halten von den vielen Vorschriften der jüdischen Religion. Was heute leicht klingt, war damals eine Grundsatzentscheidung von höchster Brisanz. Nur so blieb das Christentum keine jüdische Sekte, sondern konnte das Potential einer Weltreligion entwickeln. Für die Paulus mit seinen Missionsreisen den Grundstein legte. Doch wie sah seine Mission konkret aus.
Zunächst einmal ging Paulus dort hin, wo viele Menschen waren: in die Städte. Dort hinzukommen war relativ einfach. Das Verkehrsnetz im damaligen Mittelmeerraum war gut ausgestattet. Doch wie kam er in Kontakt zu den Leuten. Zunächst einmal durch seinen Beruf als Zeltmacher. In seiner Werkstatt dürfte einiges los gewesen sein. An zweiter Stelle besuchte der Apostel die Synagogen: dort traf er Diasporajuden, aber auch viele Menschen, die man als religiös Suchende bezeichnen kann. Und an dritter Stelle ging Paulus auf die Marktplätze: dort wurde nicht nur verkauft, sondern auch diskutiert. An all diesen Orten verkündete er die Botschaft von Jesus. Und diese Botschaft wurde gehört: es gründeten sich Gemeinden. Das waren keine Massen, aber der Sauerteig für die spätere Ausbreitung des Christentums. Diese ersten Christen trafen sich in ihren Häusern zum Gottesdienst. Es waren anfangs überwiegend Menschen aus den einfachen Bevölkerungsschichten und ungewöhnlich viele Frauen. Später wird ihnen Paulus in einem Brief sagen: Bei aller Verschiedenheit: ihr seid alle eins in Christus. Das war in einer Zeit, die sehr stark in Hierarchien dachte, eine revolutionäre Botschaft.
Paulus ist aber bei all dem kein Einzelkämpfer. Silas und Timotheus sind seine Schüler und Helfer. Und am Ende des Römerbriefes nennt er über 40 Namen von Frauen und Männern, die in den verschiedenen Gemeinden Verantwortung übernommen haben.
Die Briefe des Apostels an seine Gemeinden machen einen großen Teil des Neuen Testamentes aus. Man merkt ihnen an, daß das jemand schreibt, der engagiert ist. Er motiviert, lobt, spornt an, tadelt und kritisiert auch. Vor allem erinnert er seine Adressaten an das Zentrum des Glaubens, an Jesus Christus. Mit ihm sind die Christen in einem Leib verbunden, das ist die Gemeinschaft der Kirche. Jesus ist das Haupt, wir alle die Glieder. Wo aber Jesus nicht mehr im Blick ist, da entstehen Spaltungen und Parteiungen. Leidenschaftlich kämpft Paulus in solche Situationen darum, die Einheit in Christus wiederherzustellen. So redet er den Korinthern ins Gewissen: die Gemeinde hat sich gespalten, weil niemand auf den anderen Rücksicht nimmt. So erinnert er dieselbe Gemeinde daran, daß der Glaube an die Auferstehung Jesu eine zentrale Glaubenswahrheit ist und daß deren Leugnung den Glauben von innen her zerstört. Oder er ermahnt die Galater, die neuerworbene Freiheit in Christus nicht durch alle möglichen Menschensatzungen wieder zu verlieren. Wenn man diese Zeilen liest wird deutlich: Paulus ist kein Zuckerbäcker, aber trotz mancher harter Worte auch kein Zuchtmeister seiner Gemeinden, sondern Zeuge Jesu Christi. Ihn zu verkünden wird er nicht müde und fast immer gehen seine Briefe aus einem Gebet hervor und münden am Ende wieder in ein solches.
Liebe Mitchristen, fast 2000 Jahre trennen uns von den Gemeinden des Völkerapostels. Vieles hat sich seitdem geändert. Dennoch ist das, was Paulus getan und gesagt hat auch für uns bedeutsam. Und vielleicht stellt er uns auch manche Fragen. Zum Beispiel folgende:
1)    Wie ernst nehmen wir die Ausbreitung unseres Glaubens? Wo geben wir an unseren Arbeitsstellen oder den Marktplätzen der modernen Welt – in den Medien oder Internetblogs etwa- Zeugnis für den Glauben?
2)    Wie klar ist uns, daß ein Christ nie allein für sich Christ sein kann, sondern die Gemeinschaft, Gemeinde, die Kirche braucht?
3)Â Â Â Â Wie ist es um die Streitkultur in unseren Gemeinden bestellt? Gibt es da nicht allzuviel falsche Harmonie und Kuscheligkeit statt eines oft notwendigen Streites um den rechten Weg?
Das sind nur einige Fragen, die Paulus uns stellen könnte. Fragen, die uns helfen können heute, hier und jetzt glaubwürdiger Gemeinde Jesu Christi zu sein.
AMEN
Kercheblättche 8
Hier können Sie sich das Zusatzblatt zum Kercheblättche anschauen: Zusatzblatt zum Kerchblättche 8.
Pfarrfahrt nach Oberammergau
Hier können Sie sich das Programm für die Fahrt nach Oberammergau downloaden: Programm Oberammergau
Predigtreihe Paulus: Der Völkerapostel/ 1. Fastensonntag 2009
1. Fastensonntag: Paulus der Völkerapostel  - Heusenstamm 2009
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Liebe Mitchristen,
an den Sonntagen dieser Fastenzeit will ich mit ihnen das Leben des Apostels Paulus beleuchten. Der äußere Anlaß dafür ist das Paulusjahr, das die Kirche zur Zeit weltweit begeht und damit des Mannes gedenkt, der vor ziemlich genau zweitausend Jahren geboren wurde. Paulus hat uns aber über dieses vordergründige Gedenken hinaus auch heute noch eine Menge zu sagen. Schauen wir deshalb in der Predigt des heutigen Sonntags hin auf sein Leben. Geboren wurde er 9. nach Christus in der Stadt Tarsus- im Süden der heutigen Türkei. Damals war Tarsus eine angesehene Stadt: Provinzhauptstadt des Römischen Reiches und berühmt als Bildungszentrum. In dieser Stadt lebte die Familie des Paulus. Diese Herkunft war in mehrfacher Hinsicht prägend. Zum einen spricht er ein hervorragendes Griechisch: die Umgangs- und Weltsprache des ganzen Mittelmeerraumes. Zum anderen besitzt er – von seinem Vater her – das römische Bürgerrecht. Das war eine Art „green card“ in der damaligen, von den Römern beherrschten Welt und brachte so manche Privilegien mit sich: vor allem das Berufungsrecht an den Kaiser und der Schutz vor entehrenden Strafen. Tarsus war auch ein Umschlagsplatz der damals gängigen Philosophien und Kulte: die Stoiker mit ihrer Ethik und ihren kosmologischen Spekulationen, die Kyniker mit ihrer Bedürfnislosigkeit, der Mithraskult, der viele in seinen Bann zog. Und dazu kam natürlich das Diasporajudentum, in dem Paulus groß wurde. Als junger Mann übernahm Paulus den Beruf seines Vaters und wurde Zeltmacher. Zelte waren damals für die Kaufleute komfortable Möglichkeiten zu übernachten, besser auf jeden Fall als öffentliche Herbergen. Mit Stolz erinnert Paulus in seinen Briefen an diesen Beruf, den er gelernt und ausgeübt hat und mit dem er sich ernährt hat. Später – zeitlich schwer einzugrenzen- erhält Paulus eine theologische Ausbildung in Jerusalem und wird fortan den Pharisäern zugerechnet: im Volk hoch angesehene Schriftgelehrte also, Das bringt ihn in Konflikt mit der sich entwickelnden Christengemeinde. Die Apostelgeschichte berichtet, daß Paulus mit der Steinigung des Stephanus einverstanden gewesen war und die Christen verfolgte. In diesem Zusammenhang muß um das Jahr 33 nach Christus das sogenannte Damaskuserlebnis stattgefunden haben:  die große Wende im Leben des Paulus! In einer Vision begegnet ihm Jesus, der ihn fragt: „Warum verfolgst Du mich!“. Dieses Ereignis verändert das Leben des Paulus von Grund auf. In dem Spruch vom „Saulus zu Paulus werden“ ist es sprichwörtlich geworden. Paulus selbst umschreibt es im Galaterbrief, von dem wir einen Ausschnitt gehört haben so: „Als aber Gott, der mich schon im Mutterleib auserwählt und durch seine Gnade berufen hat, mir in seiner Güte seinen Sohn offenbarte…“. Paulus läßt sich nach Damaskus taufen, verbringt eine Zeit in der Einsamkeit, nimmt Kontakt zu der Urgemeinde in Jerusalem auf und wird zum großen Apostel der Heiden. Auf drei großen Missionsreisen gründet er Gemeinden in Kleinasien und Europa. Unermüdlich verkündet er das, was er selbst erfahren hat: die frohe Botschaft von Jesus Christus. Und so ist er, der Jesus persönlich wohl nie begegnet ist, dennoch Apostel, der große Völkerapostel der Christenheit. Schließlich kommt er nach Rom. Dort stirbt Paulus unter Kaiser Nero um das Jahr 60 n.Chr. eines gewaltsamen Todes. Über seinem Grab erhebt sich heute die große Basilika `St. Paul vor den Mauern`.
Ein spannendes und spannungsreiches Leben steht vor unseren Augen. Paulus, der seine jüdischen Wurzeln nie vergißt, der im Austausch mit den geistigen Strömungen seiner Zeit ist, der geprägt ist von seiner umstürzenden Erfahrung mit Jesus Christus, die seinem Leben eine grundlegend neue Richtung gegeben hat. Wer seine Briefe liest und hört, spürt in jeder Zeile die Liebe zu Jesus. Daraus lebt Paulus. Von ihm gibt er Zeugnis. Für ihn stirbt er. So ist er Apostel, Zeuge Jesu Christi, der auch uns durch sein Zeugnis zu inspirieren vermag.   AMEN


