Pfarrgemeinde Maria Himmelskron

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Pfingsten 2009: Der Geist der Hoffnung, der Freiheit und der Wahrheit

Mai 30, 2009 Von: Pfarrer Kategorie: Archiv Comments Off

Pfingsten 2009

Der Geist der Hoffnung, der Freiheit, der Wahrheit

 

Liebe Mitchristen,

für viele ist Pfingsten nur noch ein Anlaß zum Relaxen und Grillen, für Ausflüge und einen Kurzurlaub. Für uns Christen ist es das Fest des Heiligen Geistes, der Geburtstag der Kirche. Der Geist Gottes ist uns, der uns Hoffnung gibt, Freiheit schenkt und uns in die Wahrheit führt.

Von der Geistesgabe der Hoffnung hat der Apostel Paulus in seinem Brief an die Römer gesprochen. Zuerst aber beschreibt er das, was das Leben der Menschen schwer macht. All die Leiden, die körperlichen und seelischen Schmerzen die uns bedrängen. In einem wunderschönen Bild redet er davon, daß die „ganze Schöpfung seufzt und wie in Geburtswehen liegt“. Doch in alldem erweist sich die Kraft des Geistes Gottes in der Hoffnung. In der Hoffnung, daß wir gerettet, behütet, getragen sind. Diese Hoffnung ist wie der Atem, den wir zum Leben brauchen. Und so wird auch der Heilige Geist immer wieder mit dem Atem verglichen. Jeder, der schon einmal Atemnot hatte, weiß wie schlimm das ist. Und wer die Hoffnung verliert, macht eine ähnliche Erfahrung. Der Geist Gottes aber ist es, der die Hoffnung lebendig erhält und wenn wir angefochten sind, nimmt sich dieser Geist sogar unserer Schwachheit an und tritt für uns ein. Innige, fast schon intime Bilder sind das für den Heiligen Geist! Bilder aber für eine Wirklichkeit, die uns leben läßt und so notwendig ist wie unser Atmen. Denn Hoffnung – christlich gesehen- ist ja viel mehr als eine Überlebensstrategie oder ein Placebo für schwere Situationen. Sondern sie läßt uns über den Horizont sehen. Sie verbindet uns mit der Lebenskraft Gottes.

In der Apostelgeschichte hören wir davon, daß der Geist Gottes in die Freiheit führt. Die Apostel erfahren das leibhaft. Sie öffnen ihre verschlossenen Türen und werden ins Freie geführt. Mit Kraft und Vollmacht geben sie Zeugnis von ihrem Glauben und wunderbare Dinge geschehen. Menschen verstehen sich und sprechen eine Sprache und alle sind außer sich vor Staunen. Wann waren Sie das letzte Mal außer sich vor Staunen?  -        -  Vor 20 Jahren waren es viele. 1989: ein Jahr in dem im Osten Europas Mauern gefallen sind und Grenzen überwunden wurden. Die Mauer zwischen den zwei deutschen Staaten, die Diktatur in Ungarn, Polen, der Tschechei und in Rußland. Viele Christen haben an diesem Wunder mitgewirkt und auch ein Papst –Johannes Paul II – der nicht müde wurde vom Geschenk der Freiheit zu sprechen. Hautnah haben wir da die Kraft des Geistes, der in die Freiheit führt erfahren.

Doch es gibt nicht nur die große Freiheit der Völker. Es gibt auch die Freiheit die jeder Mensch in sich erfährt. Ein Glaube – auch unser Glaube – muß sich daran messen lassen, ob er die Menschen freier macht. Es gibt ja, bei aller Freiheitsrhetorik, viel Unfreiheit in den Menschen um uns herum, in uns selbst. Schauen wir einmal hin, wie viele in Zwängen und Süchten leben. Wie viele sich einem Diktat beugen: das macht man heute so, ich will doch nicht zu kurz kommen, das brauche ich unbedingt und vieles mehr. Der Glaube an Gott will uns in all dem ein Stück freier machen und vor allem dadurch, in dem er das wegnimmt, was unserem Leben einen Grauschleier gibt: die ANGST in ihren vielen kleinen und großen Facetten. Der Geist Gottes führt in die Freiheit, indem er die Angst aus unseren Herzen wegnimmt. Das erfuhren die Jünger damals, das will er uns heute ebenso schenken. Darüber kann man im übrigen auch außer sich sein vor Staunen!

Das Stichwort schließlich, das uns das Evangelium gibt, ist das der Wahrheit! Der Geist Gottes, so sagt Jesus, wird euch zur Wahrheit führen. Und an einer anderen Stelle des Johannesevangeliums heißt es: „Die Wahrheit wird euch frei machen!“. Wahrheit und Freiheit sind eng verbunden. Denn Freiheit als Geistesgabe Gottes meint ja nicht Beliebigkeit, sondern immer Freiheit für etwas. Und auch hier kann der Verweis auf das, was vor 20 Jahren im Osten Europas geschehen ist, erhellend sein. Der tschechische Dissident Vaclav Havel, der später Präsident wurde, war eigentlich kein gläubiger Mensch. Aber er wehrte sich mit allen Fasern gegen das, was die Machthaber dort von den Menschen erwartet haben: daß sie in der Lüge leben und sich darin einrichten. Man nannte das zuweilen auch: sich arrangieren. Eine Praxis übrigens, die genauso in der ehemaligen DDR galt. Vielleicht sollte man sich das wieder bewußt machen, statt die absurde Frage zu stellen, ob die DDR denn überhaupt ein Unrechtsstaat gewesen sei Aber zurück zu Vaclav Havel: er empfand es als die tiefste Erniedrigung: in der Lüge leben zu müssen. Allein die Wahrheit, das empfand er, macht die Menschen frei. – Es war berührend zu sehen, wie Havel dann nach der Wende mit Johannes Paul II ein langes und intensives Gespräch geführt hat, von dem wenig an die Öffentlichkeit gedrungen ist. Aber vielleicht war für Havel seine Suche nach der Wahrheit im tiefsten eine Suche nach Gott, der die Wahrheit in Person ist.

Liebe Mitchristen, wir feiern Pfingsten. Es ist die Freude darüber, daß der Geist Gottes uns in aller Bedrängnis Hoffnung, in aller Beengung Freiheit und inmitten der Lüge Wahrheit schenken will!

AMEN

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