Artikel der Kategorie Juni, 2009
11. Sonntag: “Explosion” oder “Wachsen”?
11. Sonntag im Jahreskreis/ Lesejahr B
Heusenstamm 2009
„Explosion“ oder „Wachsen“?
Â
Â
Liebe Mitchristen,
wenn man ein Wort suchen würde, das man als das Signum unserer Zeit ansehen könnte, wäre das der Explosion durchaus ein naheliegendes. Man kann es sogar als ein zentrales Vorstellungsmodell ansehen.
Mit einer Explosion, einem „big bang“, dem Urknall, beginnt unser Universum. Und nicht umsonst sind die Staaten die mächtigsten, die „die“ Bombe, die Atombombe besitzen. Nur nebenbei: schon verrückt, daß ein Land wie Nordkorea in den Kreis dieser Mächtigen will, da es die Bombe besitzt, aber noch nicht einmal seine Bevölkerung ernähren kann. Und was wäre unsere Actionfilme ohne die faszinierenden Explosionen. James Bond könnte in den vorzeitigen Ruhestand gehen. Unterschwellig beeinflußt das auch unser Denken und Reden: Das Tor beim Fußball schlägt ein wie eine Bombe und die Menschen im Stadion springen auf. Und auch im Alltag ist das so: Wir brauchen immer wieder Neues- und das möglichst schnell. Das Alte ist – per definitionem – „langweilig“. Weg mit ihm, am besten wird es gesprengt. So sagen viele Lehrer inzwischen, daß Kinder sich nicht mehr konzentrieren können und Jugendliche werden – Viva und MTV lassen grüßen- groß mit kurzen, abwechslungsreichen Video- Sequenzen. Sich bloß nicht länger mit etwas beschäftigen, dafür reicht die Aufmerksamkeit überhaupt nicht mehr!
Was soll da die Rede Jesu von der langsam wachsenden Saat noch sagen? Paßt das noch zu unserem Lebensgefühl, das so ganz anders getaktet ist?
Mir fällt auf, daß es zu den anfangs beschrieben Dingen auch andere Tendenzen gibt. Menschen jammern über den Streß: in der Arbeit und in der Freizeit. Immer Neues, immer Mehr: das überfordert viele. Die Werbung preist Medikamente für einen guten Schlaf an, der vielen immer schwerer fällt. Meditative Musik – am besten mit Mönchen vorne drauf – schafft es bis in die Charts. Und überhaupt wird „das Kloster“ als etwas wahrgenommen das Ausdruck der Sehnsucht vieler Menschen nach Einfachheit, Ruhe, Stille ist.
„Explosion“ steht für Neues, aber auch für Zerstörung. Vieles in unserem Leben aber braucht Zeit, um wachsen zu können. In diesem Sinn benutzt Jesus das Wachsen der Saat als Bild für das Reich Gottes. Der Bauer muß Geduld haben. Er kann das Wachstum der Pflanzen aber nicht erzwingen. Und so ist es auch in unserem Leben. Wir müssen etwas tun, investieren: aussäen eben. Mein gutes Wort, meine Bereitschaft mich auf andere einzulassen, meine Überzeugung, die ich nicht verleugnen darf. Aber ich sehe das Ergebnis meines Einsatzes nicht sofort. Ich kann nur warten und vertrauen, daß das einmal wachsen wird.
Liebe Mitchristen, ich wünsche Ihnen und mir diese Gelassenheit. Daß wir aussäen, wenn es sein muß immer wieder neu beginnen, die Hoffnung dabei nie verlieren und die Gewißheit haben dürfen: Gott ist es, der das Gute vollendet!    AMEN
Fronleichnam 2009: Katholisch? Katholisch!
Fronleichnam 2009
Katholisch? Katholisch!
Â
Liebe Mitchristen,
als wir vor kurzem den ökumenischen Gottesdienst am Pfingstmontag gefeiert haben, da regte sich eine Kirchenbesucherin darüber auf, daß wir beim Glaubensbekenntnis nicht alle gebetet haben: Ich glaube an die heilige, christliche Kirche, sondern daß die meisten katholischen Christen bei dem: die heilige, katholische Kirche geblieben sind. Ich fand das im übrigen überhaupt nicht schlimm. Nein: Gebete kann man nicht wechseln wie ein Kleid. Und warum soll nicht jeder nach seiner Art beten? Man kann in dieser Hinsicht verschieden beten und dennoch weiß ich, daß mich mit den evangelischen Mitchristen so vieles verbindet: vor allem der in der Taufe grundgelegte Glaube an den dreifaltigen Gott. Das ist doch eine ganze Menge und so bin ich froh, daß wir hier in Heusenstamm ein unverkrampftes ökumenisches Miteinander haben. Der Blick über den Tellerrand zeigt mir auch etwas vom Reichtum des Christlichen, das verschiedene Ausdrucksformen haben kann. Und trotzdem fühle ich mich ganz bewußt als katholischer Christ und bin gar nicht der Meinung, daß man sich dafür entschuldigen müßte! Doch was heißt denn katholisch überhaupt? Wörtlich übersetzt kommt es vom griechischen „katholikos“, d.h. weltumspannend. Katholisch ist an erster Stelle ein Glaube, der Grenzen überwindet, der universal ist und so ist auch die Kirche katholisch, weltumspannend. Allerdings ist diese quantitative Bestimmung noch nicht die ganze Wahrheit. Die Kirchenväter betonen immer wieder, daß Kirche, katholische Kirche dort ist wo der Bischof ist. Katholisch in diesem Sinn meint also die Verbundenheit mit dem Bischof und das gilt auch für die Verbundenheit mit dem Bischof von Rom, dem Papst. In der Frühzeit der Kirche dient diese Bestimmung der Kirche dazu sich von Sekten und sonstigen Abspaltungen abzugrenzen und betonte die Überzeugung: Jesus Christus ist ohne seinen Leib, die Kirche nicht zu haben.
Wir feiern am heutigen Tag Fronleichnam: Das Fest des Leibes und Blutes Christi, das Fest seines kostbaren Vermächtnisses an die Kirche. Und indem wir teilhaben an dem Leib des Herrn in der Eucharistie, werden wir immer mehr verbunden zum Leib Christi, der Kirche. Diese enge Verbundenheit von Kirche und Eucharistie hat Paul Claudel einmal zu der Aussage angeregt: “Der Inbegriff des Katholizismus, der unendlich feine und gewichtige Punkt, in dem er sich zusammenfassen läßt, ist die Eucharistie…“
Damit aber kommen wir zu einer dritten Bestimmung von katholisch. Katholisch zu sein heißt, in einer Überlieferung zu stehen, in dem der Glaube etwas Inhaltliches, etwas Bestimmtes ist. Und wo das besonders klar war, hat man das in die Dogmen gefaßt, Glaubenssätze. Katholiken sind überzeugt, daß die Dogmen Wahres über Gott, über Christus sagen. In Bezug auf die Eucharistie wären solche Dogmen: Die Eucharistie, die heilige Messe ist die Vergegenwärtigung des Kreuzesopfers Jesu Christi. In der heiligen Kommunion ist Jesus Christus unter Brotsgestalt wahrhaft, wirklich und wesentlich gegenwärtig. Nur ein geweihter Priester kann die heilige Messe gültig feiern. - Der Glaube im katholischen Sinn ist also mehr als etwas Atmosphärisches, Kuscheliges oder etwas, das allein dem Einzelnen in irgendeiner Weise etwas existentiell bedeutet. Sondern ist etwas klar Umrissenes, inhaltlich Umschriebenes. Sie alle wissen, daß dieses Verständnis in den letzten Jahrzehnten in die Krise geraten ist. Gleichgültigkeit gegenüber der Wahrheitsfrage, ein unkritischer Pluralismus und alle möglichen Neuinterpretationen des Glaubens haben dem katholischen Glaubensverständnis arg zugesetzt. Das hat dazu geführt, daß man oft gar nicht mehr weiß, was denn jetzt noch katholisch ist. Und weil man diese Verlegenheit spürt, schämt man sich fast, sich noch als „katholisch“ zu bezeichnen und flüchtet sich in eine vage „Christlichkeit“. Aber man täusche sich nicht: der Lehrglaube und das dogmatische Bekenntnis gehören unaufgebbar dazu, wenn man katholisch sein will.
Wenn Sie all das hören spüren Sie: das mit dem „Katholischen“ ist eine anspruchsvolle Sache. Aber vor allem etwas, das gefeiert werden will. Wo die Kirche Liturgie, Gottesdienst feiert, ist das immer ein Ausdruck ihres Glaubens. Deshalb kann nicht einfach jeder Priester die Liturgie nach seinem Gusto verändern oder der Liturgieausschuß einer Pfarrgemeinde sagen: bei uns machen wir das so und so. Nein: im Gottesdienst, besonders in der heiligen Messe feiert die Gesamtkirche ihren Glauben, wird das Dogma zum Lobpreis! Wenn wir deshalb heute aus ganzem Herzen das Fronleichnamsfest feiern, dann feiern wir unseren katholischen Glauben.   AMEN



