Pfarrgemeinde Maria Himmelskron

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Artikel der Kategorie März, 2010

Osterpfarrbrief 2010

März 31, 2010 Von: Sekretariat Kategorie: Pfarrgruppe Heusenstamm Comments Off

Bußandacht - 28.03.2010

März 30, 2010 Von: Sekretariat Kategorie: Archiv Comments Off

Gewissenserforschung anhand den „Werken der Barmherzigkeit“

In den Predigten der Fastenzeit waren in diesem Jahr die „Werke der Barmherzigkeit“ der rote Faden. Sie sollen uns auch bei dieser Bußandacht helfen, unsere Umkehr konkret werden zu lassen. Wir sind berufen, „Boten der Barmherzigkeit Gottes“ zu sein und versagen bei dieser Aufgabe doch allzuoft. Ich möchte Sie einladen, die „Werke der Barmherzigkeit“ noch einmal anzuschauen:

1) „Hungrige speisen und Durstige tränken“:

Berührt mich die Not anderer Menschen und bin ich bereit zu helfen? Oder finde ich tausend Ausreden, „nichts“ zu tun!?

Bin ich im Umgang mit Anderen geizig und berechnend oder bemühe ich mich darum – im Rahmen meiner Möglichkeiten – großherzig zu sein?

Menschen hungern nach einem guten Wort, nach Zuwendung. Habe ich dafür ein Gespür: in der Familie, im Berufsleben? Merke ich, daß ich immer auch Verantwortung für andere Menschen habe? Eine Verantwortung, die ich nicht delegieren kann.

Auch ich brauche immer wieder die Hilfe Anderer. Kann ich Hilfe annehmen oder bin ich zu stolz dafür? Kann ich Gottes Hilfe annehmen?

2) „Fremde beherbergen und Nackte bekleiden“

Bin ich ein gastfreundlicher Mensch? Sind die Türen meiner Wohnung offen oder verschlossen?

Rede ich lieber über Andere als mit ihnen? Mit wem müßte ich demnächst etwas klären?

Sehe ich „Fremde“ nur als Bedrohung und spreche entsprechende Parolen einfach nach?

Wo habe ich die Würde Anderer verletzt? Wo habe ich üble Nachrede praktiziert oder intime Dinge Dritter ohne Not weiter gegeben?

Wie ist es mit meiner Geschlechtlichkeit? Habe ich Andere nur benutzt, um persönliche Befriedigung zu erfahren?

3) „Gefangene erlösen und Kranke besuchen“

Wo bin ich in mir gefangen: Süchte, böse Gedanken, verbohrte Ideen?

Urteile ich schnell über Andere oder habe ich ein Gespür dafür, daß ich selbst oft auf dünnem Eis stehe? Macht mich das zuweilen demütig oder muß ich dauernd angeben?

Wie gehe ich mit Leuten um, die mich enttäuscht haben? Lasse ich sie schnell, allzu-schnell fallen?

Scheue ich mich davor, kranke Verwandte oder Freunde zu besuchen? Wenn ja, warum eigentlich?

Wie ist es mit meinen alten Eltern oder sonstigen alten Menschen: habe ich sie abgeschrieben oder sorge ich mich um sie? Bin ich mir bewußt, daß ein kleiner Besuch mehr wert ist als tausend schöne Worte?

4) „Irrende zurechweisen- Unwissende lehren – Zweifelnden recht raten“

Kann ich Kritik von Anderen annehmen?

Wie ist es mit meiner Kritik: formuliere und meine ich sie so, daß sie Anderen hilft oder will ich sie eher verletzen?

Gebe ich durch mein Verhalten Zeugnis vom barmherzigen Gott?

Helfe ich Anderen in schweren Situationen durch einen glaubwürdigen Rat?

5) „Trauernde trösten -Lästige geduldig ertragen“ – Denen, die uns beleidigen, gerne verzeihen.“

Wann habe ich das letzte Mal Jemanden getröstet? Kann ich von dem Trost sprechen, den uns, den mir der Gaube schenkt?

Habe ich einmal versucht, Leute, die mir auf „die Nerven gehen“ ganz besonders herzlich zu behandeln? Bin ich schnell bei der Hand, wenn es darum geht andere als „lästig“ oder „peinlich“ abzustempeln?

Kann ich verzeihen? Nehme ich die Versöhnungsbereitschaft Anderer an?

6) „Tote begraben – Für Lebende und Verstorbene beten“

Bete ich für andere: privat, in der Messe? Welchen Stellenwert hat das Gebet für mich? Nehme ich mir Zeit dafür?

In der heiligen Messe wird für Verstorbene gebetet. Bin ich mir bewußt, daß die Messe das große Dank- und Versöhnungsopfer Christi ist?

Denke ich daran, daß ich einmal sterben muß - oder schiebe ich jeden Gedanken an den Tod weit von mir weg?

Wie lebendig ist in mir die Hoffnung, daß Gott stärker ist als der Tod? Wie bereit bin dafür, Ostern zu feiern als das Fest an dem Christus den Tod endgültig entmachtet hat?

Fünfter Fastensonntag - 21.03.2010

März 23, 2010 Von: Sekretariat Kategorie: Archiv Comments Off

Liebe Schwestern und Brüder,

die Barmherzigkeit, von der in der Predigten dieser Fastenzeit die Rede ist, leuchtet heute auch im Namen dieses Sonntags auf. Den fünften Fastensonntag nennen wir den Misereor- Sonntag. So heißt das Hilfswerk der deutschen Katholiken für notleidende Menschen in der sog. Dritten Welt. Die Kollekte dieses Sonntags ist heute für „Misereor“ bestimmt und schon jetzt sage ich Ihnen im Namen der Menschen, denen es zugute kommt, ein herzliches Vergelt`s Gott! Das ist eine Art, barmherzig zu handeln. So heißt Misereor auch übersetzt: „Mich erbarmt der Menschen“. Ein Wort Jesu also, daß über diesem Sonntag steht.

Dazu paßt auch sehr gut das Evangelium. Jesus handelt barmherzig an der Ehebrecherin. Sie alle kennen dieses Stelle und vor allem Jesu genialen Satz: „Wer ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein!“ Von Kindesbeinen an hat mich dieses Evangelium fasziniert, seine Spannung und Dramatik - und nicht ohne Gänsehaut liest und hört man immer wieder, daß es solche Steinigungen in manchen Gegenden der Erde bis heute gibt.

Besonders beeindruckend finde ich die Beschreibung, wie Jesus sich in aller Seelenruhe zweimal bückt und mit seinem Finger etwas auf die Erde schreibt. Was er da geschrieben hat, darüber haben sich Generationen von Bibelauslegern Gedanken gemacht, ohne zu einem Ergebnis zu kommen. Für mich ist die Geste selbst interessant: das Schreiben in den Sand. Als Sinnbild des Innehaltens, des Gestaltens, des Nachdenkens. Als ein deutlicher Kontrast zu den Steinen, die die Männer in den Händen halten. Steine sind hart und fest, der Sand ist weich und gestaltbar. Steine lassen keinen Raum für Barmherzigkeit, der Sand schon. Und so ist für mich der Sand auch ein Sinnbild für die Art und Weise, wie wir Barmherzigkeit praktizieren. Wir haben in den letzten Wochen von den leiblichen und geistigen Werken der Barmherzigkeit gesprochen. Das sollten Anregungen für uns sein, darüber nachzudenken, wo Barmherzigkeit in unserem Leben Gestalt annehmen kann. Drei weitere drei Werke möchte ich heute noch ergänzen: Trauernde trösten, Lästige geduldig ertragen, denen, die uns beleidigen, gerne verzeihen. Auch dazu wieder einige Anregungen: aber einschreiben in den Sand ihres Lebens, gestalten und formen müssen Sie das Ganze!

„Trauernde trösten“ heißt es da. Da gilt es sensibel zu sein, den Menschen keine Steine zu geben. Durch vorschnellen Trost: „Alles halb so schlimm“!“ Durch zu viele Worte und kluge Einfälle: „das mußt Du so und so sehen.“ Trösten besteht meist nicht aus Worten, sondern aus der schlichten Präsenz, aus dem bei- jemand- sein und bleiben! Und dann erst Worte: die von Zeiten reden, in denen es mir selbst schlecht ging, ich des Trostes bedurfte und was mir da geholfen hat. Da hat auch der Trost des Glaubens seinen Platz.

„Lästige geduldig ertragen“ – als ich das las und durchdachte mußte ich schon ein wenig grinsen. Jeder hat ja da so einige Zeitgenossen im Sinn, die einem auf die Nerven gehen; denen man versucht auszuweichen, bei denen man die „Platte“ schon genau zu kennen meint. Bevor dann vielleicht der Gedanke kommt: vielleicht bin auch ich so manchem lästig. Mit meiner Art, meinen Macken, meinen Fehlern. In der Tat sind wir alle einander immer wieder eine Last. Wir wollen ertragen sein. Ich glaube das ist zwar keine hohe, aber eine heilsam demütig machende Sicht: daß wir uns im Leben immer wieder gegenseitig ertragen müssen. Und bei einem Wort bin ich da noch zusätzlich hängen geblieben: „geduldig“ ertragen!“ Das ist eine besondere Form der Barmherzigkeit, geduldig mit anderen zu sein. Je nach Temperament fällt das sehr schwer. Mir hilft dabei immer der Verweis auf Gottes Geduld mit uns Menschen wie geduldig ist Er mit seinem Volk, mit einem jeden von uns. Auch mit mir: Gott sei Dank!

Und als letztes: „denen, die uns beleidigen gerne verzeihen“. Wir kennen das Gebot Jesu, immer wieder zu verzeihen. Ich will jetzt gar nicht darauf eingehen, daß das oft sehr schwer ist. Beleidigungen verletzen! Wie Steine, die geworfen werden und sehr genau treffen! Ein Verzeihen, das vom Kopf auch ins Herz geht, braucht seine Zeit. Und doch ist es eine Form des Erbarmens. An erster Stelle übrigens uns selbst gegenüber: Es tut gut, loslassen zu können, Groll, Wut und Hass zu überwinden. Ohne barmherziges Verzeihen könnten aber auch Wunden in Ehen, Familien, Gemeinden und Gemeinschaften nie heilen. Deshalb der Ruf „gerne“ zu verzeihen.

AMEN

Kercheblättche 9 + 10

März 20, 2010 Von: Sekretariat Kategorie: Archiv Comments Off

Vierter Fastensonntag - 14.03.2010

März 16, 2010 Von: Sekretariat Kategorie: Archiv Comments Off

Liebe Mitchristen,

bei unserem Rundgang gelangen wir heute zu den sog. geistigen Werken der Barmherzigkeit. Drei davon möchte ich heute ansprechen: „Irrende zurechtweisen“ – „Unwissende lehren“ und „Zweifelnden recht raten“. Vielleicht sträuben sich dem einen oder anderen bei dieser Aufzählung ein wenig die Nackenhaare. Das klingt so von „oben herab“. Zurechtweisen, lehren, Ratschläge geben. Das ist eine Art von Christentum, die wir doch gar nicht mehr wollen. Und in der Tat: uns allen und der Kirche als Ganze tut weniger Selbstgerechtigkeit und mehr Bescheidenheit gut. Dennoch redet die Tradition davon, daß das Werke der Barmherzigkeit sind. Schauen wir uns das „Barmherzige“ an diesen Werken etwas genauer an.

„Irrende zurechtweisen“ hat viel damit zu tun, wie wir mit Kritik, wie wir mit Fehlern anderer umgehen. Sie alle wissen aus ihrem privaten und beruflichen Leben, daß das nicht einfach ist. Kritik zu üben: manchen fällt das ja leicht, die schießen aus vollen Rohren. Andere überlegen lange: wie kann ich dem anderen das sagen, was mich an ihm stört. Und ebenso ist das mit dem Annehmen von Kritik: die einen lassen es an sich abperlen, die anderen quälen sich damit herum. Doch all diese Verhaltensweisen bringen uns nicht wirklich weiter, sondern produzieren nur Frust. Christen sollten die Maxime haben nicht übereinander, sondern miteinander zu reden. Mit Ehrlichkeit und Fingerspitzengefühl. Kritik soll so formuliert werden, daß der andere sie annehmen kann, daß er sein Verhalten „neu“ ansehen kann und daß er aufgerichtet und gestärkt seinen Weg gehen kann. In einem solchen Gespräch darf es keinen Gewinner oder Verlierer geben. Vielmehr sollte es eine „win- win“ Situation sein, in der beide sich als Gewinner fühlen. Nur dann ist die Zurechtweisung des Irrenden ein Werk der Barmherzigkeit!

„Unwissende lehren“. Sokrates hat das Lehren einmal mit der Hebammenkunst verglichen. Wie eine Hebamme die Geburt eines Menschen unterstützt, so hilft ein Lehrer seinen Schülern, daß sie die Welt mit neuen Augen sehen können. Das größte Kompliment ist es deshalb, wenn jemand sagt: „Das habe ich ja noch nie so gesehen“ – Oder: „Da sind mir ganz neue Horizonte aufgegangen.“ Jesus war ein Lehrer der besonderen Art. Er lehrt die Menschen, Gott neu zu sehen. Er tut dies vor allem in seinen Gleichnissen. Eines der berühmtesten: das vom „guten Vater“ oder „verlorenen Sohn“ - haben wir vorhin gehört. Jesus wirft die Gottesbilder seiner Zeit über den Haufen und lehrt die Menschen: Gott ist unendlich liebend, großzügig und vergebungsbereit – preßt ihn nicht hinein in die kleinen Schablonen eurer Logik und Vorstellungen, wie es doch sein müßte. Anselm Grün schreibt dazu: „Es ist eine ganz wichtige Aufgabe der Kirche, die christliche Botschaft so zu verkünden, daß die Unwissenden wieder sehen lernen, daß sie die barmherzige und menschenfreundliche Botschaft Jesu mit neuen Augen sehen und so den Weg zum Leben finden“.

„Zweifelnden recht raten“ - das dritte Werk der geistigen Barmherzigkeit. Guter Rat ist zwar „teuer“, wie es im Sprichwort heißt, aber andererseits sind Ratschläge auch Schläge, wie es uns die Psychologie nahelegt. Was stimmt denn jetzt? Ich glaube, Ratschläge sind da Schläge, wo der Ratsuchende spürt: der andere hat sich gar nicht auf mich eingelassen, der ist nicht mit hineingegangen in meine Verwirrung und Verzweiflung. Es mag ja sein, daß er „Richtiges“ sagt, aber ich kann das einfach nicht annehmen, im Gegenteil: es hilft mir kein bißchen. Ein „guter Rat“ zeichnet sich demgegenüber aus, daß ich merke: der andere sorgt sich wirklich um mich. Und es gelingt ihm durch seine Worte und Gesten, mich an eigene Stärken, oder modern ausgedrückt: Ressourcen zu erinnern. Ressourcen, die dann helfen klarer zu sehen, Verwirrung oder gar Verzweiflung zu überwinden.

Paulus rät uns in seinem Brief an die Korinther: Laßt euch mit Gott versöhnen. Denn ER, Christus, ist ganz und gar hineingegangen in unser Leben – bis hin zum Kreuz. Bei Ihm und in Seiner Nähe wird unser Leben klar und licht. Er ist der Grund unserer Hoffnung.
AMEN

Dritter Fastensonntag - 03.03.2010

März 09, 2010 Von: Sekretariat Kategorie: Archiv Comments Off

Liebe Mitchristen,

„Gefangene erlösen und Kranke besuchen“ – zwei Werke der Barmherzigkeit, die man unter dem einen Begriff des „Besuches“ zusammen fassen kann. Wir handeln barmherzig, wenn wir Menschen besuchen. Und man kann hinzufügen: Menschen, die sich in schwierigen Situationen befinden.

Bei den Gefangenen ist diese „schwierige“ Situation offensichtlich. Sie haben sich etwas zuschulden kommen lassen. Deshalb sitzen sie ihre Strafe ab. Damit wollen wir im Regelfall nichts zu tun haben. Warum solche Leute besuchen? Die sind doch selber schuld! Aber: auch sie haben ihre Würde und sind immer „mehr“ als bloß die Summe ihrer bösen Taten. Christen glauben daran, daß es auch in diesen Menschen einen Raum gibt, wo Gutes wachsen kann. So wie auch der scheinbar unfruchtbare Feigenbaum das Potential in sich hat, Früchte zu tragen. Zumindest, wenn man ihm die Chance dazu gibt.

Dieses Werk der Barmherzigkeit scheint aber dennoch weit weg von uns zu sein, so wie Gefängnisse in dem Leben der meisten von uns weit weg sind. Und doch stellt es uns unangenehme Fragen. Zum Beispiel, wie es mit dem „Dunklen“ in uns selber bestellt ist. Es ist ja leicht zu sagen: dort sind die Bösen, hier die Guten. In uns spüren wir, daß diese Trennung nicht so einfach ist. Paulus schreibt im Brief an die Korinther einen bemerkenswerten Satz: „Wer also zu stehen meint, der gebe acht, daß er nicht fällt.“ Dahinter steckt die Erfahrung: Es braucht oft gar nicht so viel, daß ein Leben aus den Fugen gerät. Und dann in ganz anderen Bahnen verläuft, als es geplant war. Kleine Stellschrauben können große Veränderungen bewirken: zum Guten, aber eben auch zum Schlechten. Diese Einsicht sollte uns bescheiden machen und wenn wir unser allzu gewiß und zu selbstgerecht sind. Dann kann der Satz des Paulus uns helfen auf dem Boden zu bleiben: „Wer also zu stehen meint, der gebe acht, daß er nicht fällt.“

Die andere Anfrage: Wie gehen wir mit Menschen um, die strafrechtlich oder moralisch oder sonstwie schuldig geworden sind? Sicher kennt jeder da Beispiele aus seiner eigenen Umgebung. Für manche ist das eine klare Sache. „Ab jetzt sind wir geschiedene Leute“ oder: „den würdige ich keines Blickes mehr“. Da werden Menschen ganz schnell fallen gelassen wie die sprichwörtliche „heiße Kartoffel“. Menschlich gesehen mag das oft verständlich sein, aber: christlich ist es nicht! Christlich ist es die Nähe auch und gerade zu denen zu bewahren, die man durchaus mit gutem Grund meiden könnte. So zumindest hat es Jesus vorgelebt und so bringt er es uns im Evangelium nahe. Wo es heute heißt: Es lohnt sich nicht darüber zu spekulieren, wie schuldig die anderen sind. Wir alle bedürfen der permanenten Umkehr. Drum fange bei dir selber an.

„Kranke besuchen“ – ein weiteres Werk der Barmherzigkeit. Dazu muß man nicht viel sagen: Die Krankenhäuser, Altenheime und „Seniorenresidenzen“, wie sie im Schönsprech heißen, sind voll von Menschen, die von oft überforderten Pflegern halbwegs gut versorgt, aber von niemanden besucht werden. Wir sind eine Gesellschaft in der nur der zählt, der gebraucht wird. Viele haben das schon schmerzlich erfahren. Kaum ist man durch eine Krankheit außer Gefecht gesetzt, merkt man wie Kontakte von heute auf morgen ausbleiben. Oft ist das gar kein böser Wille, aber es gibt da eine diffuse Angst, Kranke zu besuchen. Was soll ich da bloß reden? Da werde ich ja daran erinnert, daß auch ich krank werden kann! Was wenn von Tod oder Sterben die Rede ist? - Themen die ich doch am liebsten meide. Und je mehr ich mir solche Fragen stelle, desto mehr Gründe finde ich Kranke nicht zu besuchen. Das aber ist fatal: denn kranke, alte und einsame Menschen wollen von uns keine Antworten. Was sie wollen ist unsere Nähe, unser Da- sein, unsere Präsenz. In der wunderschönen Lesung aus dem Buch Exodus offenbart sich Gott als der „Ich bin da“. Und man könnte ergänzen: „Ich bin für euch da!“. Eine Name, der zugleich eine Verheißung und ein Versprechen ist! Wenn wir durch unser Tun anderen signalisieren können: Ich bin für euch da, dann sind wir Mitarbeiter Gottes, seine Hände und Füße in unserer Welt.

Nicht weit von hier gibt es das Altenpflegeheim der Arbeiterwohlfahrt. Seit über einem Jahr gibt es in unserer Gemeinde einen Besuchsdienst. Die Mitarbeiter in diesem Besuchsdienst besuchen einmal in der Woche einen alten Menschen, der sonst wenig Besuch bekommt. Das ist keine Überforderung, ist aber doch genug, daß eine persönliche Bindung entstehen kann. Vorlesen, bei schönem Wetter etwas Herumgehen- oder Fahren oder einfach die Frage: „Wie geht es denn“ stehen auf dem Programm. Nichts Spektakuläres also, aber etwas von dem viel Segen ausgeht. Vielleicht auch eine Aufgabe für Sie? Einmal in der Woche eine Stunde Zeit aufbringen für jemanden, der sich über Ihren Besuch sehr freut! Wer sich das vorstellen kann: Sprechen Sie mich oder Eva Kwasniok an, die diesen Besuchsdienst leitet! Neue Mitarbeiter sind mehr als willkommen.

Übrigens: ein Besuch ist nicht nur für körperlich Kranke heilsam, sondern auch für psychisch kranke Menschen. Auch für diese Menschen ist ein persönlicher Kontakt die beste Medizin und Therapie. Es kommt dabei nicht auf einen Psychoblick an, sondern darauf daß ich diese Menschen mit den Augen des Glaubens anschaue und schlicht und einfach barmherzig bin.
AMEN

Kercheblättche 8

März 05, 2010 Von: Sekretariat Kategorie: Archiv Comments Off

Zweiter Fastensonntag - 28.02.2010

März 02, 2010 Von: Sekretariat Kategorie: Archiv Comments Off

Fremde beherbergen- Nackte bekleiden

Liebe Schwestern und Brüder,
um die Werke der Barmherzigkeit geht es in den Predigten der Fastenzeit. Hungernde speisen und Durstige tränken, das war Thema am ersten Fastensonntag. Heute nun: Fremde beherbergen und Nackte bekleiden.

„Fremde beherbergen“ – zu diesem Werk der Barmherzigkeit gäbe es vieles zu sagen. Ich möchte aber nur einen Aspekt herausgreifen, der einen alten Gedanken mit einer neuen Herausforderung verbindet. Der alte Gedanke ist der der Gastfreundschaft. Das Alte und Neue Testament betonen den Wert der Gastfreundschaft und berichten davon auch in ergreifenden Beispielen. Und der heilige Benedikt ermahnt seine Brüder in den Gästen Christus zu sehen. Ich denke, dass auch wir als christliche Gemeinde daran gemessen werden, ob wir als gastfreundlich empfunden werden. Die neue Herausforderung ist es nun, daß wir in einer multikulturellen Gesellschaft leben. Die Fremden sind uns nahe gekommen. Und nur Gutmenschen behaupten fröhlich, dass das doch alles kein Problem sei. Im Gegenteil: da gibt es viel Schwieriges und Problematisches. Wie in unserem Land „Integration“ gelingt, wird eines der großen Themen der Zukunft sein. Dafür gibt es kein Patentrezept. Aber ein Anfang kann da gemacht werden, wo Menschen einander kennen lernen. Und das geschieht am besten von Angesicht zu Angesicht. „Fremde beherbergen“ könnte ja durchaus bedeuten, den ausländischen Nachbar oder den langjährigen Mitarbeiter einmal nach Hause einzuladen. Nur so lernen wir wirklich einander kennen und reden nicht bloß in Stereotypen übereinander. So beginnt Integration!

Das andere Werk der Barmherzigkeit – „Nackte bekleiden“ - scheint dagegen, zumindest in unserer Gesellschaft - überholt. Wie ertrinken ja schon fast in Klamotten. Billige Massenware aus China überschwemmt unsere Märkte. Gewiss: es ist, trotzdem, gerade für Leute mit einem kleinen Geldbeutel, für Familien und andere oft gar nicht so einfach, gute Kleidung zu annehmbaren Preisen zu bekommen. Gut dass es da in Heusenstamm das Angebot der Ökumenischen Kleiderkammer gibt. Engagierte Mitarbeiterinnen aus allen christlichen Gemeinden bieten zwei Mal in der Woche gute Kleidung zu ganz geringen Preisen oder im Notfall auch zum Nulltarif an. – Sicher ist das ein Aspekt des „Nackte bekleiden“.
Aber ich denke, man kann dieses Werk der Barmherzigkeit auch „übersetzen“. Vielleicht so: Kleider besitzen immer eine Schutzfunktion. Sie schützen vor Kälte, Wind und Regen. Sie bedecken aber auch die Intimität eines Menschen. Das gibt es – bei aller verschiedenen Ausprägung – in allen Kulturen. Der Schutz von Intimität und das nennt man Scham. Fehlende Schamhaftigkeit ist kein Gewinn, eher ein Zeichen von Verwahrlosung. Scham, so hat einmal jemand gesagt, ist die „Eierschale der Menschenwürde“. Und überall wo Menschen diese Grenze bei einem anderen überschreiten, beginnt Missbrauch.
Da werden Menschen nicht bekleidet, sondern entkleidet: ihrer Würde nämlich. Solcher Missbrauch beginnt, wenn ich einen anderen ohne Not bloßstelle, wenn ich seine Fehler öffentlich mache, wenn ich Grenzen nicht respektiere, wenn ich Seelen verwüste. Es ist kein Zufall, daß ich dieses Wort benutze. In den letzten Wochen war viel von Missbrauch die Rede, begangen – Gott sei es geklagt! - von Priestern und Ordensleuten. Der Stein kam ins Rollen durch Fälle aus dem Canisius- Kolleg der Jesuiten in Berlin. Und die Enthüllungen gingen weiter. Dies alles hat mich – und sicher auch Sie sehr betroffen gemacht. Erlauben Sie mir deshalb einige Anmerkungen:

1) Der Missbrauch von Kindern ist eine himmelschreiende Sünde und ein abscheuliches Verbrechen, das wie alle Verbrechen geahndet werden muss. Hier soll die Polizei und Justiz Ihren Dienst tun und jede Einzelperson und Behörde ist moralisch verpflichtet, bei der Aufklärung mitzuhelfen. Das gilt natürlich auch für die Kirche. Wo das in der Vergangenheit nicht befolgt wurde, liegt eine Mitschuld vor.
2) In der Öffentlichkeit wird zuweilen die Meinung verbreitet, bis heute vertusche „die Kirche“ Missbrauchsfälle in ihren eigenen Reihen. Das mag es in der Vergangenheit gegeben haben und dafür müssen Menschen Verantwortung tragen. Fakt ist aber auch, daß es in der deutschen Kirche seit 2002 ein „Frühwarnsystem“ gibt, das höchst sensibel, transparent und in Zusammenarbeit mit Polizei und Justiz jedem Missbrauchsverdacht nachgeht.
3) Es wird zuweilen gesagt, daß der Missbrauch in der katholischen Kirche „systemisch“ bedingt sei und in direktem Kontext zum Zölibat der Priester und Ordensleute stehe. Die Zahlen widerlegen diese Sicht eindeutig: es gibt keinen signifikant höheren Prozentsatz von zölibatären Männern die Missbrauch begehen, die Zahl ist eher geringer. Die Täter finden sich in allen gesellschaftlichen Gruppen: Ärzte, Lehrer, Übungsleiter in Sportvereinen …
4) Ein letzter Punkt: Es gab und gibt Missbrauch. Ein abscheuliches Verbrechen, das geahndet werden muß. Barmherzigkeit für die Täter ist fehl am Platz, Gerechtigkeit für die Opfer ist notwendig. Aber ich habe im Blick auf die Berichterstattung der letzten Wochen manchmal den Eindruck, dass es auch den „Missbrauch mit dem Missbrauch“ gibt: Die Kirche als Ganze soll unter den Generalverdacht gestellt werden. Die peinlichen Äußerungen der Justizministerin sind dafür ein gutes Beispiel. Das soll nicht der Relativierung dienen, aber helfen das Gesamt der Problematik im Auge zu behalten.

Liebe Mitchristen,
barmherzig zu sein ist uns aufgetragen, barmherzig ist unser Gott. Da, wo die Barmherzigkeit mit Füßen getreten wird, wo Seelen getötet werden – und das geschieht beim Missbrauch, muss man daran erinnern, daß Gott nicht nur barmherzig, sondern auch gerecht ist. Er wird die am schärfsten richten, denen die meiste Verantwortung gegeben war.
AMEN

Erster Fastensonntag - 21.02.2010

März 01, 2010 Von: Sekretariat Kategorie: Archiv Comments Off

Hungrige speisen und Durstige tränken
In den nächsten Wochen der Fastenzeit soll es um die Barmherzigkeit und die Werke der Barmherzigkeit gehen. Auf dem Zettel, den sie auf den Bänken finden sind die sieben Werke der leiblichen und geistigen Barmherzigkeit abgedruckt. Jeweils zwei dieser Werke sollen bis Ostern Thema der Predigten und auch der Bußandacht sein. Heute also: Hungrige speisen und Durstige tränken. Beide – wie die folgenden auch – entstammen der großen Gerichtsrede Jesu im Matthäusevangelium. Die Botschaft lautet: Wo immer ihr Menschen helft, die hungrig oder durstig sind, da helft ihr mir! da tut ihr einen Dienst an Christus selber! Gottes- und Menschenliebe sind seit Jesus nicht mehr zu trennen. Doch gehen wir einmal von diesen mehr oder weniger theoretischen Erwägungen hinüber zu einer anderen Momentaufnahme.
Da stand vor Weihnachten ein Artikel in der Zeitung: einen Heusenstammer habe die Rührung überkommen und in Erinnerung an eigene schlechte Zeiten wollte er einem Bedürftigen 200 Euro zukommen lassen. Aber weder die Stadt, noch die Caritas, noch die Pfarrgemeinde konnte ihm einen Bedürftigen nennen, dem er sein Geld geben konnte. Enttäuscht wandte er sich an die Presse und Öffentlichkeit.
Da wollte also jemand barmherzig sein- und es ging offensichtlich nicht, er wurde sein Geld nicht los. Was ist da schiefgelaufen? Etwas ganz Einfaches! Unser Helfen bedarf der Feinfühligkeit und darf den anderen nicht beschämen. Und das hätte hier der Fall sein können. Wer will schon ein Objekt des (noch so gut gemeinten) Mitleids anderer sein?
Aber wir spüren selbst, daß es gar nicht so einfach ist zu helfen. Wir laufen über die Zeil und sehen die Bettler, denken aber zugleich daran, daß das doch bestimmt professionelle Banden aus Osteuropa sind. Wir wollen Hilfsbedürftigen in Haiti oder sonstwo helfen und fragen uns: kommt das Geld dort auch an? Ich selbst habe erlebt, wie ich als junger Kaplan Hilfsbedürftigen an der Tür offener gegenüberstand als heute, wo ich manche stories schon hundert mal gehört habe. Trotz dieser Anfragen soll der Impuls Jesu in uns lebendig sein und bleiben: Hungrigen und Durstigen beistehen, konkrete Not lindern, soweit das in unserer Macht steht.
Dieses Hin- und Hergerissensein mag es auch geben, wenn man sieht, daß in unserem Land immer mehr Tafeln und Suppenküchen aus dem Boden sprießen. Zum einen ist das ein gutes Zeichen: Menschen und oft Kirchengemeinden sehen die Not von Menschen und handeln. Doch die entgegengesetzte Meinung läßt nicht lange auf sich warten: das sei Augenwischerei, hier sei die Politik gefragt, es gebe ein strukturelles Problem, wenn Menschen solche Einrichtungen aufsuchen müssen. Nicht Gnade und Barmherzigkeit, sondern ein gutes Recht menschenwürdig zu leben – und auch menschenwürdig zu essen - sei angesagt. Ich denke allerdings, daß das kein wirklicher Gegensatz ist. Die Aufforderung Jesu zur Barmherzigkeit ist ein Anruf an den einzelnen, aber auch an die Politik, das in Gerechtigkeit zu übersetzen. Und wo das nicht geschieht, wo man das Gefühl hat, daß die Armut auch in Deutschland immer mehr zunimmt, sollen Christen dies auch sagen und den Finger auf die Wunde legen. Daß aber beide Haltungen sich nicht widersprechen, sondern ergänzen hat Thomas von Aquin schon im Mittelalter erkannt, wenn er sagt: „Gerechtigkeit ohne Erbarmen ist Grausamkeit, Barmherzigkeit ohne Gerechtigkeit ist die Mutter der Auflösung.“
Wenn Jesus vom Hunger spricht, meint er aber nicht bloß den knurrenden Magen. Hunger ist für ihn immer schon ein Bild für den tieferen Hunger des Menschen. Und so heißt es auch im Evangelium des Tages: „Der Mensch lebt nicht nur vom Brot, sondern von jedem Wort, das aus Gottes Mund kommt.“ Menschen hungern nach Sinn, nach einem guten Wort und einem liebevollen Blick. Kinder hungern nach echter Zuwendung und alte Menschen nach einem Besuch. Wer Verantwortung für andere Menschen trägt, dem ist aufgetragen zu fragen: was brauchen die mir anvertrauten Menschen wirklich? Wie kann ich sie nähren? Wer andere nur „abspeist“ erfüllt Jesu Auftrag gewiß nicht! Ob das nun Eltern, Lehrer, Vorgesetzte, Sozialarbeiter oder Priester sind. Ein bloßes „Abspeisen“ hat mit der Würde der „Armen“ und mit Jesus selbst nichts zu tun.
Ein letzter Gedanke: Die Armen erinnern uns auch an unsere eigene Armut. Ein Leben lang versuchen wir zu verbergen, daß wir uns oft genug Arm fühlen: durch unser Schaffen, Raffen und das, was wir als so ganz wichtig ansehen. Und doch wird das alles einmal vergehen. „Bedenke Mensch, daß Du Staub bist und zum Staub zurückkehrst“ – das haben wir am Aschermittwoch gehört!. In diesem Sinn soll Martin Luther auf dem Sterbebett gesagt haben: „Wir sind Bettler, das ist wahr“. Nicht aus Resignation, sondern weil er voll der Hoffnung war auf den, von dem Paulus sagte: „Er- Christus – der reich war, wurde euretwegen arm, um euch durch seine Armut reich zu machen“. – Er ist die Quelle der Barmherzigkeit- für die anderen und für uns selbst.
AMEN