Kirchweih Heusenstamm - 17./18.09.2011
Papstbesuch
100 Abgeordnete wollen fernbleiben, liebe Mitchristen, wenn Papst Benedikt XVI in der nächsten Woche anlässlich seines Deutschlandbesuches im Bundestag sprechen will. 100 Abgeordnete, immerhin fast ein Sechstel der Mitglieder des Bundestages. Das ist eine Blamage: nicht für den Papst, aber für diese Damen und Herren, die angeblich unser Volk repräsentieren. Menschlich blamabel: weil es schlicht unhöflich und wenig gastfreundlich ist. Politisch blamabel: weil es einen Affront gegen den Vertreter von immerhin 1,2 Milliarden Katholiken in aller Welt ist. Blamabel ist aber auch die Argumentation: Sie sehen in der Rede eines religiösen Vertreters im Bundestag eine Verletzung der Neutralitätspflicht des Staates. Wissen diese Leutchen nicht, dass unser Grundgesetzt keinen laizistischen Staat vorsieht, sondern vielfältige Modelle der Kooperation und Zusammenarbeit von Staat und Kirche. Um das zu verstehen reicht normal ein Semester Jura oder ersatzweise intensives Zeitungslesen. Vielleicht kriegt man da auch mit, dass der Papst rein formal auch der Staatschef eines kleinen, aber völkerrechtlich anerkannten Staates ist.
Aber genug: gegen Dummheit ist bekanntlich kein Kraut gewachsen. Und so originell wie sich diese Abgeordneten wähnen, sind sie gar nicht. Sie fügen sich ein in eine lange Geschichte der Rom- und Papstfeindschaft speziell in Deutschland. Das führte unter Bismarck zum sogenannten Kulturkampf, in der man alle Katholiken unter Generalverdacht stellte weil sie „ultramontan“, also jenseits der Berge, der Alpen ihren Ansprechpartner hätten. Der Hass Hitlers auf das Papsttum ist bekannt und ich kenne Priester die beim Gang zur Priesterweihe sich den Schmähruf der SA- Leute anhören mussten: „Ohne Juda, ohne Rom, bauen wir Germaniens Dom“. Nun haben sich die Zeiten geändert, aber wenn wir den Tenor der veröffentlichten Meinung anhören, da ist viel Häme, Ironie, Distanz. Als in der ARD über den Weltjugendtag in Madrid berichtet wurde, da standen für dreitausend Protestierer vier Minuten zur Verfügung, während die unglaubliche Zahl von eineinhalb Millionen jugendlicher Pilger fast so nebenbei erwähnt wurde. Nun kommt also Papst Benedikt in sein Heimatland. Ob es ein fremdes Land für ihn sein wird?
Zunächst einmal ist jedes Land für den Papst zu einem gewissen Teil ein fremdes Land. Weil die Botschaft, für die er steht, eine sperrige, ärgerlich konkrete ist. Die Botschaft von dem Menschen Jesus von Nazareth, der in der jüdischen Tradition seines Volkes groß geworden ist und von dem wir bekennen, dass er zugleich der Sohn Gottes ist. Und dieses „Wir“ ist die Kirche als das neue Volk Gottes. Diese Kirche ist per definitionem keine partikulare, sondern von Anfang an eine katholische, welt- umspannende. Eine Kirche die zusammengehalten wird durch den einen Glauben, durch den die den gleichen Gottesdienst und die gleichen Sakramente und durch den Papst, den Nachfolger des Petrus, den Garanten dieser Einheit. Seit zwei Jahrtausenden gibt es diese Kirche und sie lässt sich nicht beliebig modellieren und zurechtkneten: nach den neuesten Moden, Einfällen, Opportunitäten. Sie verlangt vielmehr etwas von den Menschen: Umkehr, Bekehrung, Gewissenserforschung. Das ist nicht angenehm. Der durchschnittliche Mensch zweifelt ja an allem, außer an sich selbst. Und er ist darüber hinaus ein scharfer Kritiker, es sei denn es ginge um ihn selbst. Insofern wird uns dieser Papst fremd sein. In der Nachfolge seines Herrn sagt er nämlich: Seid demütig und hinterfragt so manche Selbstverständlichkeiten. Ihr werdet euer Glück nicht in euch selbst finden, sondern in einem Größeren. Echte Liebe könnt ihr weder machen noch produzieren, sondern sie wird euch geschenkt und euer Leben gelingt, wenn ihr euch für diese größere Liebe öffnet. Wenn ihr euch für Gott, für Jesus Christus öffnet.
Für diese Botschaft steht der Papst. Und seine ganze Liebe gilt der unverkürzten Wahrheit der Person Jesu Christi. Deshalb ist er auch ein Wächter und Warner. Er warnt davor das Alte und das Neue Testament auseinanderzureißen: denn nur in deren Zusammenschau zeigt sich Heilsgeschichte. Er warnt davor eine vor- und nachkonziliare Kirche auseinanderzureißen, denn beides gehört zusammen. Er warnt davor Vernunft und Glauben auseinanderzureißen: Vernunft ohne Glauben wird zum bloßen Pragmatismus, Glaube ohne Vernunft wird blind. Und er warnt davor Gott und den Menschen auseinanderzureißen: eine „Gottesfinsternis“ wäre ein Super- Gau für die Menschheit. Bei allem aber spürt man, dass dieser Papst aus einer tiefen Freude heraus lebt, redet, betet. Vor den anderthalb Millionen Pilgern in Madrid hat er mehrmals von der Freude gesprochen, die der Glaube schenkt und die aus der Freundschaft mit Jesus fließt. Und er selbst will nach einem Wort des Paulus Diener dieser Freude sein.
Möge er uns bei seinem Besuch mit dieser Freude anstecken. Erwarten wir nichts Unmögliches vom Papst. Es ist ein viertägiger Besuch, mehr nicht. Aber es ist ein ganz besonderer Besuch. An seinem Ende, diese Prognose wage ich, werden ihn Hunderttausende live gesehen haben, Millionen an den Bildschirmen und er wird viele , so wie es die Aufgabe des Petrus war, im Glauben gestärkt haben. Und man wird sich fragen: was war da noch mit 100 sogenannter Volksvertreter; aber eigentlich wird das eh kaum jemanden noch interessieren.
AMEN
