Kercheblättche 6
„Die Hessen glauben an ihr eigenes Ding“
So titelte in der vorigen Woche eine Zeitung, als sie die neueste Umfrage zur religiösen Einstellung der Menschen in Hessen veröffentlichte. Und bei dem benannten „eigenen Ding“ geht es um nichts weniger als den Sinn des Lebens. 80 % der Befragten bejahen den Satz: „Das Leben hat nur dann einen Sinn, wenn man ihm selber einen gibt.“ Dazu aber braucht man weder Gott, noch Religion, noch Glaube. Oder mit den Worten von Reinhold Messmer: „Der Sinn fällt nicht vom Himmel, er wird auch nicht von einer Religion gestiftet, sondern ich selbst stifte Sinn, indem ich mir mein Tun wichtig mache.“ Für Messmer besteht dieses „Sinn stiften“ darin, einen 8000er ohne Sauerstoffmaske zu besteigen, für andere den Schrebergarten zu bestellen, Dschungelkönigin bei RTL zu werden, Überraschungseier zu sammeln oder vieles mehr. Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt. Aber ist das wirklich der „Sinn des Lebens“? Bernhard Meuser hat ein herzerfrischendes Büchlein geschrieben mit dem etwas abgefahrenen Titel: „Lieber Hosenträger als gar keinen Halt im Leben“, in dem es genau um diese Frage geht. Und am Ende gibt er einige Hinweise auf einen wirklich tragfähigen Sinn. Das erste: Dieser Sinn muss uns gesagt werden. Er ist immer größer als ich, ich kann ihn nicht machen, sondern nur empfangen .Oder mit den Worten des Psychoanalytikers Viktor Frankl: Der Sinn kann nur entdeckt werden. Das zweite: Der Sinn des Lebens ist die Liebe - sonst nichts. „Wir sind geschaffen, um zu lieben und geliebt zu werden“ – sagt Mutter Teresa und sie meint die göttliche und menschliche Liebe. Und diese Liebe ist immer konkret: Gott liebt mich und der Nächste – besonders der, der meine Hilfe braucht – ist im Moment die allerwichtigste Person. Und das dritte: Den Sinn des Lebens entdecken wir im Angesichts des Todes. Nur wer im Tod noch Sinn entdecken kann, findet im letzten den Sinn des Lebens. Es liegt auf der Hand, dass das nicht ohne Gott zu denken ist.
Ganz klar: ein selbstgemachter Sinn ist besser als nichts. Er gibt Halt, wie die besagten Hosenträger. Aber in diesem Fall darf und muss es schon etwas mehr sein: Geschenk, Liebe, Wahrheit, Transzendenz, - ein Sinn, der uns wirklichen Halt gibt und gerade nicht unser Ding, sondern Gottes Ding ist.
Das meint Ihr
Martin Weber
Pfarrer
Quelle: Bernhard Meuser: Lieber Hosenträger als gar keinen Halt im Leben/…nebst 13 weiteren Methoden, den Sinn des Lebens zu finden.










